Wertpapierhandelsplatz – wie funktioniert die Börse?

By | 27. Mai 2015

Aus Frankfurt am Main erreichen uns die täglichen Nachrichten zu dem Börsengeschehen. Das Bild, das die meisten von uns mit diesen Nachrichten verbinden beinhaltet eine große schwarze, digitale Tafel auf der eine weiße, unstete Linie den Verlauf der Kurse des Tages nachvollzieht. Ein(e) Mitarbeiter(in) des berichtenden Fernsehsenders zählt dazu die Unternehmensnachrichten des Tages auf und gibt einen kurzen Ausblick auf die kommenden Tage.

Was Börse ist, wie dort „Preise gemacht“ werden, wer die Regeln für den Börsenbetrieb aufstellt und wieso ausgerechnet an einem so traditionellen Ort die Technik dominiert und der Menschen assistiert, lesen Sie hier.

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Handelsplatz Börse

wechsel_umzugHandelsplätze sind keine Erfindung der Neuzeit. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn seitdem Menschen mehr von einer Ware produzieren als sie selbst verbrauchen, treiben sie Handel. Dies an einem Ort zu tun, an dem auch andere ihren Warenüberschuss anbieten, ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, schließlich lässt sich die Zielgruppe, sprich der Käufer, einfacher mobilisieren, wenn er eine größere Auswahl hat. Zudem sinken rein rechnerisch die Werbekosten je Handelsplatz-Besucher, da Kunden anderer Händler auch die eigenen Waren kaufen könnten.

Das klingt theoretisch und abgehoben? Ist es aber nicht. Es beschreibt einen beliebigen Wochenmarkt und entspricht in mehr als nur den Grundzügen dem Geschehen an den weltweiten Wertpapierbörsen. Aber kann es wirklich so einfach sein?

Blicken wir kurz zurück in die Vergangenheit: In Frankreich hatte man bereits Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen landwirtschaftlichen Betrieben Darlehen zu gewähren und die daraus resultierenden Forderungen (sprich Schulden) weiterzuverkaufen. Dieses Vorgehen ist – um kurz aus der Geschichte in die Neuzeit zu wechseln – bis heute üblich und hat in der speziellen Form von Credit Default Swaps (CDS) maßgeblich zum Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 beigetragen. Aber zurück in die Vergangenheit: Im 15. Jahrhundert mussten derartige Schulden natürlich mühsam durch Austausch von Urkunden und Geld übertragen werden, was zunehmend häufig im Haus der Familie van der Beurse im belgischen Antwerpen stattfand. Diese Treffen wurden erstmals 1460 als „Börse“ bezeichnet und ab dem Jahr 1531 in ein eigenes Gebäude, die „Börse Antwerpen“, ausgelagert.

Gehandelt wurden damals im Übrigen auch Schuldscheine die von „öffentlichen Stellen“ wie z.B. Städten und Staaten ausgegeben wurden. Das Modell hat sich bewährt und trägt heute als „Anleihen“ einen nennenswerten Anteil zum Umsatz der Börsen bei. Auch die spekulative Absicherung von Rohstoff- und Nahrungsmittel-Preisen war schon vor 500 Jahren fester Bestandteil des Börsenhandels. Damals verkauften Bauern Teile der Ernte bereits vor und während der Saison an Händler und sicherten sich somit vorab einen festen Preis und sichere Einnahmen zu einem festgelegten Liefertermin.

An diesem Handel mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln nehmen heute wie damals neben den Produzenten auch Banken und Großabnehmer wie z.B. Nahrungsmittelhersteller oder große Einzelhandelsketten teil. Der Handel solcher Terminkontrakte, besser bekannt als „Futures“, findet zum Beispiel an der Eurex statt und steht damit prinzipiell auch Privatanlegern offen.

Angebot trifft Nachfrage – so finden sich Preise

VergleichDie Frage der Preisbildung ist ebenfalls schon vor Jahrhunderten gestellt und beantworten worden. Der Schotte Adam Smith hat sich in seinem Werk „Der Wohlstand der Nationen“ im Jahr 1776 als erster ausführlich dieser Problematik gestellt und bis heute gültige Antworten gefunden. Auch wenn seine Beobachtungen zur Preisbildung in den folgenden Jahrhunderten immer wieder neu aufgegriffen und mit den jeweils bestehenden gesellschaftlichen wie auch wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abgeglichen wurden, hat sich doch grundsätzlich wenig geändert. Die gelebte Praxis zeigt: der „Preis“, später auch „Gleichgewichtspreis“ genannt, entspricht immer einem Interessensausgleich von Angebot und Nachfrage.

Adam Smith - Der Wohlstand der Nationen

Adam Smith – Der Wohlstand der Nationen

Somit hat sich binnen der letzten 500 Jahre auf den ersten Blick wenig geändert. Die Börse ist immer noch der Handelsplatz an dem sich Käufer und Verkäufer treffen und für jede Ware bzw. jedes Wertpapier einen Preis, basierend auf Angebot und Nachfrage, bestimmen.

Dennoch sind die Unterschiede gewaltig. Einst trafen sich regelmäßig Produzenten und Großhändler einer Region um Erzeugnisse, Waren und Geld auszutauschen. Heute werden über global vernetzte Börsenplätze Wertpapiere in Bruchteilen von Sekunden gekauft und wieder verkauft. Wertpapiere sind selbst zu einer Handelsware geworden, deren Besitzer sich nicht mehr unbedingt mit dem tatsächlichen Gegenwert des Wertpapiers beschäftigen müssen, sondern lediglich einen Käufer finden wollen, der ihnen ihren vorhandenen Wertpapier-Bestand inklusive Aufpreis wieder abkauft.

Börsentechnik – das Ende der Effekten

FAQsLeise aber mit Nachdruck hat Technik den Börsenhandel weltweit verändert. Leistungsstarke Großrechner und eine Vernetzung internationaler Börsenplätze zwangen alle Marktteilnehmer förmlich in die Digitalisierung.

Langjährige Aktionäre werden diese Entwicklung begrüßt haben, denn es ist noch keine 50 Jahre her, dass sie mit einem Koffer voller Aktien zu einer Hauptversammlung gefahren sind und dort nur gegen Vorlage ihrer verbrieften Unternehmensanteile (Effekten) ein Stimmrecht ausüben durften. Gedruckte Aktien waren schon damals eher schön als praktisch, es ist also kaum anzunehmen, dass jemand ernsthaft das gedruckt Wertpapier vermissen wird.

Allerdings wird durch die Digitalisierung „die Aktie“ immer weniger vorstellbar, denn rein sachlich besteht der Aktienbesitz nur noch in einer Buchung auf einem Konto. Im Unterschied zu Ihrem Girokonto mit welchem Sie ihre täglichen Geldgeschäfte abwickeln, d.h. auf das ihr Gehalt gutgeschrieben wird und von welchem Sie dann Miete und Lebensunterhalt bestreiten, werden auf diesem „Depotkonto“ nur Wertpapierbuchungen vorgenommen. Die Börse ist also zu einem virtuellen Handelsplatz geworden, an welchem virtuelle Anteile gekauft und verkauft werden.

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Börse, ein Regelbetrieb

kuendigungUnbekannte, internationale Marktteilnehmer handeln virtuelle Produkte, die auf virtuellen Konten gelagert werden. Das klingt ein bisschen wie die Beschreibung eines Onlinespiels und wirft zumindest für diejenigen, die sich erstmals mit der Materie beschäftigen die Frage auf: Kann ich der Börse vertrauen?

Ja, das können Sie. Denn Börsen sind, ähnliche wie z.B. die Sendeanstalten der ARD, Anstalten des öffentlichen Rechts und werden von den jeweiligen Bundesländern beaufsichtigt. So untersteht die größte deutsche Börse, die Frankfurter Wertpapierbörse, dem Land Hessen. Das erscheint insofern merkwürdig, da die Deutsche Börse AG als Betreiberin der Frankfurter Börse auch den Deutschen Leitindex DAX feststellt, die führende Handelssoftware nebst Xetra entwickelt hat und aktiv betreibt. Das Unternehmen Deutsche Börse AG gehört aufgrund des Unternehmenswertes selbst zu den wertvollsten deutschen Unternehmen und ist dennoch nur die Betreiberin der Börse (Börsenträger), nicht die Inhaberin. Als Börsenträger ist sie verpflichtet alle für den Betrieb der Börse erforderlichen finanziellen, personellen und sachlichen Mittel zur Verfügung zu stellen und darüber hinaus die wirtschaftliche Fortentwicklung der Börse sicherzustellen.

Und – um bei dem Beispiel Frankfurt zu bleiben – alle die Börse selbst betreffenden Entscheidungen werden durch den Börsenrat und nicht durch den Vorstand der Deutsche Börse AG getroffen. Der jeweils für einen Zeitraum von drei Jahren gewählte Börsenrat ist das oberste Beschlussorgan, d.h. es bestimmt die Satzungen, bestellt und beaufsichtigt die Börsengeschäftsführer und gibt somit der Deutschen Börse AG den Handlungsrahmen vor. Dieses machtvolle Gremium setzt sich aus Vertretern der Börsenbenutzer, darunter Handelsteilnehmer und Emittenten, zusammen und verfügt zweifelsfrei über eine weitreichende Sachkenntnis. Das ist gut und wichtig, denn trotz verschiedener Zielsetzungen haben Deutsche Börse AG, Land Hessen und der Börsenrat ein gemeinsames Interesse daran, institutionellen Anlegern, wie auch Groß- und Privatanlegern einen zuverlässigen, fehlerfrei arbeitenden Handelsplatz anzubieten.

Börsenparkett Frankfurter Wertpapierbörse

Börsenparkett Frankfurter Wertpapierbörse

Damit dies sichergestellt wird, ist eine zentrale Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) als aktive Marktaufsicht eingeschaltet und überwacht kontinuierlich die Preisfeststellungen und den Handel an der Präsenzbörse (Börsenmakler, Spezialisten) sowie an Xetra und Eurex. Darüber hinaus blicken die hessische Börsenaufsicht wie auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüfend auf das Handelsgeschehen und tragen bei potentiellen Auffälligkeiten Sorge für deren Aufklärung sowie – falls notwendig – für die umfassende rechtliche Nachverfolgung.

Virtuell versus Vorort – Xetra und Präsenzhandel

VerbrauchertippsAufsicht, Überwachung, Prüfung und Nachverfolgung. Die Börse ist ein überwiegend virtueller Marktplatz – aber die Kontrolle bleibt menschlich. Ähnliches gilt auch für das tägliche Handelsgeschehen, wie sich erneut am Beispiel der Frankfurter Börse bestens zeigen lässt. Stellt man dort die Frage „Wie funktioniert die Börse?“, dann wäre die erste Antwort sicherlich: vollautomatisch. Dort wurde der Präsenzhandel durch das vollautomatische Xetra (Exchange Electronic Trading) Handelssystem ersetzt. Der rufende, winkende Börsenhändler, der seine Transaktionen durch Gesten übermittelt und als Sinnbild für „Börse im Fernsehen“ steht, gehört deshalb in Frankfurt seit dem 20. Mai 2011 der Vergangenheit an.

Trotzdem zeigt uns die ARD im Rahmen der „Börse im Ersten“ Sendung jeden Abend einen Blick auf das Parkett der Börse Frankfurt und die dortigen Händler. Diese Börsenhändler heißen nun Spezialisten und überwachen die Preisbildung der Aktien. Sie handeln Wertpapiere für ihre Arbeit- bzw. Auftraggeber und stellen für jene Wertpapiere Kauf- und Verkauf-Aufträge, die in Frankfurt nicht über Xetra vollautomatisch abgewickelt werden. Der Aktienhandel ist also nicht völlig digitalisiert, er hat sich aber ganz wesentlich verändert. Auch die Spezialisten an der Börse bearbeiten Aufträge mit dem Xetra-Handelssystem, insofern ist der direkte Vergleich Mensch zu Maschine ausnahmsweise erlaubt – sofern eines nicht vergessen wird: Nur das vollautomatische Xetra-System nimmt Aufträge von automatischen Handelssystemen entgegen, die ohne menschliches Zutun Aktienhandel betreiben.

Die Verlagerung von Aktienhandel durch Menschen zu Aktienhandel völlig ohne Menschen ist zumindest am Xetra bereits Realität. Wie umfangreich die Verlagerung der Handelsaktivitäten ist, zeigt ein Blick in die Statistik der Frankfurter Börse. Diese weist für den Xetra im Monat April 2015 einen Handelsumsatz von 125 Mrd. Euro aus, was in etwa dem 25-fachen des durch Spezialisten durchgeführten Handels von 5,15 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum entspricht.
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